KulturKreis Duesseldorf
KulturKreis Duesseldorf

 

2013

 

Cervisia-Ratgeber für Besucher Düsseldorfs

 

Bierführer, Bierratgeber für Getränke-Gourmets

 

 

 

In cervisia veritas

 

Nun, liebe Düsseldorfer und Sie, verehrte Düsseldorf-Besucher (beinhaltet auch -innen, und zwar an erster Stelle), hier vorab noch einige Tipps.

Der Autor ist von höchster Kompetenz, wurde er doch hier in Düsseldorf geboren.

Ein Düsseldorfer ist einmal daran zu erkennen, dass er "seine" Stammkneipe (n) hat. Und die hat (haben) es in sich! Was? Natürlich Bier!

Düsseldorfer Biere sind nämlich einmalig, werden sie doch in Düsseldorf gebraut. Zumeist jedenfalls, da wegen zu hoher Nachfragen schon Auslagerungen erfolgen mussten.

Düsseldorfer Bier dient zum löschen von Durst. Es zischt und ist äußerst gesund, so sagen die Braumeister und so bestätigt auch der Autor. Dieser empfiehlt Frankenheim, Füchschen, Gulasch, Joh. Albrecht, Kürzer, Schlösser, Schlüssel, Schumacher, Uerige; eben alle, die in Düsseldorf gebraut werden oder auch nicht.

Die Reihenfolge der Aufzählung ist unwichtig; wichtig ist nur, dass alle Besucher auch alle diese probieren, sich nicht festlegen, sondern stets und immer Ihr Urteil überprüfen.

 

Zu Beginn nunmehr eine Einführung in die Grundbegriffe des Biertrinktrinkens, getreu des Mottos: contra principia negantem non est disputandum - nunc est bibendum, und disputo gilt genauso wie an heißen Sommertagen bibere, niemals haurire, auf jedenfall potare, und all dies blieb den Römern verborgen, kamen sie doch nie über den Rhein nach Düsseldorf. Klar auch, welcher Paganide teilt denn schon seine Cervisia mit Barbaren, wie die Griechen die Römer schon klassifizierten - eben bárbaros. Sicherheitshalber schrieben sie es in lesbarer Weise für die βάρβαρος

 

Alkohol

Alkohol ist neben einigen anderen, hochinteressanten Dingen ebenfalls im Bier enthalten. Es sei hier direkt darauf hingewiesen, dass Düsseldorf über die Rheinbahn (VRR) verfügt und in besonders angesagten Fällen sogar über Taxen. Weitergehende Fälle sollten nicht unbedingt vom Roten Kreuz übernommen werden.

Sollte ein Biertrinker nicht glauben, dass Alkohol ein Bestandteil des Biers ist, so mag er sich in Flensburg (Bölkstoff) erkundigen. Man kann übrigens auch ohne Alkohol lustig sein, niemals aber sediert.!

 

Alkoholfreies Bier

Kann der Autor nicht empfehlen. Er lehnt zwar nicht grundsätzlich ab, wenn andere dies trinken,  er selbst ist allerdings ein vehementer Verweigerer.

 

Altbier

Es ist nicht Alt. Es heißt nur so. Viele Düsseldorfer meinen, es hieße so, weil man es immer mit seiner "Alten" tränke. Nun ist die "Alte" allerdings auch häufig eine "Junge" und von daher hier nun die Erklärung eines Fachmannes, des Autors: Altbier ist das frisch gezapfte, obergärige Bier aus Düsseldorf, das besonders gut in Düsseldorf schmeckt. Gezapft bedeutet hier – laufen lassen, und zwar aus dem Fass direkt in das typische Altbierglas. Niemals eine Köln-Stange oder einen Bierseidel verwenden.

 

Anstich

Hierbei handelt es sich um die Lieblingsbeschäftigung von Zappessen (Siehe dort). Anstich bedeutet, mit dem Handballen hinein - den Zapfhahn. Gleichzeitig sollte eine Glocke ertönen, damit der Altfreund weiß: nu kött er glich, dä neue stoff. Die Glocke dient dem Wirt dazu, seinen Gästen zu bedeuten, dass schneller getrunken werden muss, damit nach staatlich verhängter "Kneipenschlusszeit" auch ja nichts übrig bleibt.

 

Ausländisches Bier und Ausländer

Natürlich wird hier auch ausländisches Bier aus Köln getrunken. Keine Frage, zumeist zwar in Notfällen, aber man beginnt darüber nachzudenken, ob man nicht vielleicht öfter ‘mal......

Ausländer sind in Düsseldorfer Kneipen nicht anzutreffen. Man erkennt diese ganz einfach an kahlgeschorenen Köpfen (Spezifikum: Innen hohl), Springerstiefeln (damit sie nicht so schnell umkippen, denn Altbier vertragen nur Feingeister, Kenner und andere gestandene Mannsbilder).

 

Ausschank

Dieser erfolgt in einer Schänke. Nördlich des Weißwurst-Äquators nennt man so etwas Kneipe.

Hier haben die Rechtschreibreformer die Schreibweise des Autors  nun endlich angenommen (teilweise). Danke!

Kommt doch Schänke von Ausschank, also von schänken und nicht von schenken. Sollte ein Leser dieser Zeilen hingegen einen Wirt kennen, der schenkt, so gebe er bitte die Anschrift schnell, zielgerichtet und im geheimen an den Autor weiter.

Der Düsseldorfer Biergenießer besucht also den Brauerei-Ausschank, und zwar seinen. Der gehört ihm nicht, steht ihm aber zu gewissen Zeiten, also eigentlich immer zur Verfügung. Hier bekommt er einfach alles, was er braucht! - Nämlich seinen Hausbräu.

 

Bier

Von biber. Hier liegt auch schon die Aufforderung: bibi - nämlich selbiges.

Genau - nunc est bibendum. Und die Römer mussten es wissen, brauten sie doch schon sehr früh, in früheren Zeiten. Die Phönizier waren natürlich noch früher ‘dran. Allerdings scheint dieses imperative Mandat von einem Mediziner zu stammen. Auch hier wurden die Chemiker schon früh überflügelt.

Aber abschließend lässt sich sagen: das Gute hält sich.

 

Bierbowle

Nun ja, Genießer unter Weintrinkern werden sich auch kaum "Kalte Ente" bestellen. Eben dieses Spannungsfeld besteht auch bei Biertrinkern.

Soll ich? Soll ich nicht? Will ich? Will ich nicht?

Hier obsiegt doch die Schopenhauersche Auffassung, dass die Vernunft den Willen leitet, jedenfalls manchmal - so auch beim Autor. Er ist unglaublich vernünftig. Und was die Ethik Kants betrifft, der Autor will nicht leiden, um gutes zu tun – dem Braumeister.

 

Bierernst

Hier versteht der Kenner keinen Spaß, aber überhaupt gar keinen. Warum auch? Nimmt er das doch für sich selbst auch in Anspruch. Bierernst ist alles das, was der Proband in Bierlaune verspricht. Ob die Rechtschreibreformer seinerzeit  auch in Bierlaune alles zusammengefasst haben und es dann zusammen gefasst haben? "Gut, dass die dies jetzt nicht mehr verstehen können!"

 

Bierhefe

Saccharomyces. Hoffentlich die fleißige Spezies! Mehr muss man eigentlich nicht wissen.

 

Bierkrug

In Düsseldorf, übrigens auch in Köln, werden diese dazu eingesetzt, Bier aufzunehmen, welches durch Schräghaltung in Fließlage gebracht wird. Schnelltrinker bringen dies in Guß- oder sogenannte Schüttlage. Im letzteren Fall spricht der Fachmann von "exen". So hat der Bierkrug, im Gegensatz in einigen Gegenden südlicher Provenienz, einen durchaus sinnvollen Einsatzbereich.

Diese eben angemerkten Gegenden verwenden den Bierkrug ebenfalls zuweilen zur Auffüllung mit Bier. Allerdings niemals bis zum "Kragen", hat man doch so Gelegenheit zu "granteln", was wiederum dem Wirt die Möglichkeit gibt, auf seine "Proatz'n" zu verweisen, bis einem selbst der "Kragen platzt" und das Maß zum Überlaufen bringt, was sich dadurch mitteilt, dass man sofort eingießt (Störtebeker, soweit es Bier ist), den Krug, nein, die nunmehr leere Maß mit eigenen Proatz'n packt, umschwenkt und dem Wirt eins überbrät.

Für Ruhrpötter bedeutet dies: "einen auffe Omme geben". Hiernach entwickelt sich alles wie immer. Übrigens, das geht auch mit Bierseideln.

 

Bierlache

Eine Pfütze aus Bier. Aber bitte Vorsicht! Wer so etwas verursacht oder heraufbeschwört, kann sich erheblichen Ärger einfangen. Jedenfalls in Köln und in Düsseldorf!

 

Bierlagerung

Ist dem Autor auch noch nicht gelungen. Er hat noch nie Fässer im Keller gehabt, die "um" waren, sie waren eigentlich immer leer, also nie wirklich voll.

Es ist schon erstaunlich, wie hoch der Dampfdruck - hier Verflüchtigungspotential und das Ausschankgeschwindigkeitsverhalten von Düsseldorfer Wirten ist.

Aber nicht nur das, so hat der Autor doch Freunde und Bekannte, die anscheinend stets über seine Vorräte genau Bescheid wissen, da selbige niemals zu spät kommen - also dann, wenn Lagerkapazität auf “Null“ ist, Mindesthaltbarkeitsdaten Böses ahnen lassen oder er gar vergessen haben sollte, 'mal wieder zu versuchen, etwas einzulagern.

Es soll aber Gegenden geben, die volle Lagerhäuser haben, so berichtet man. Zum Beispiel sei dies der Fall bei Budweiser in den USA oder beim Quas, dem berühmten Dünnbier in Russland. Wobei letztere niemals, unhöflicher Weise, dem Autor angedient wurden.

 

Bierlaune

Bierlaune ist das Hochgefühl, das sich einstellt, wenn man aus selbiger heraus versprochen hat, weniger Bier zu trinken, nicht mehr zu rauchen oder halt ähnliche Unmöglichkeiten, jedenfalls für manch einen.

Also Vorsicht, wenn sich selbige ankündigt - still in die Ecke setzen, an der Theke festhalten, und warten bis dieser Anfall vorbei ist, oder sofort nach dem Köbes rufen. Er hat Erfahrung in solchen Fällen und leistet gern "Erste Biere".

 

Bierleiche

Bei einer Bierleiche handelt es sich um eine, meist männliche Person, die aus irgendwie unerfindlichen Gründen ihren Aufenthaltsort vom Geschehen weg in die Horizontale verlegt hat.

 

Biersuppe

Wer zuviel Bier hat, möge sich beim Autor melden. nein, kann es ruhig in die Suppe gießen. An dieser Stelle sei eindringlich darauf hingewiesen: Wein schmeckt viel besser in Suppen als Bier. Allerdings gegen Altbiersaucen ist nichts einzuwenden.

 

Brauerei

Hier wird manchmal einiges zusammengebraut, deshalb sofort die Erklärung, dass Brauerei das Substantiv von brauen und nicht von trinken ist. Manche Brauereien brauen auch mit anderen zusammen. Sie brauen zusammen (zusammen brauen), aber sie brauen nicht zusammen (zusammenbrauen). Der Autor ist gespannt, wie der Duden diese Philologien auflösen wird. Da braut sich einiges zusammen in diesem Gebräu.

Der Brockhaus sagt, die Brauerei sei ein Betrieb zur Herstellung von Bier, und es gehörten umfangreiche Apparaturen, Maschinenparks und dergleichen dazu. Aber bitte, wen interessiert das?

Die Brauerei ist die Stelle, die der Biertrinker geradezu liebt. Ihn interessiert der Ausstoß, nämlich, ob noch genug da ist, und ob man dort auch fleißig am Nachschub arbeitet.

Da dies gesichert ist, sollte man sich mit der Vernichtung beschäftigen und endlich wieder dafür sorgen, dass wir, wie früher, die meisten Biertrinker stellen, und zwar weltweit.

 

Brauereiausschank

Hier sieht man die Weltoffenheit und Großzügigkeit der Düsseldorfer 'mal wieder ganz deutlich. Selbst der Brauereiausschank Uerige hat nicht nur Bier aus der eigenen Brauerei, sondern er bietet auch ein bayerisches an.

 

Brauereibesichtigung

Eine Beschäftigung, die eigentlich überflüssig ist, da es die meisten eh nicht interessiert und ohnehin nur vom Wesentlichen ablenkt. Also direkt zum Ausschank!

 

Brauereipferd

So nannten wenig charmante Flegel früher etwas beleibtere Damen, "....aussehen wie ein......"

Sie wissen schon! Dieser Ausspruch wurde natürlich nicht in Düsseldorf geprägt, obwohl wir hier besonders kräftige Pferde hatten - wegen der Mengen, die transportiert werden mussten.

 

Düssel

Das Flüßchen, das nach Düsseldorf benannt wurde, meint der Autor. Andere sehen es vice versa, wie auch immer, der Autor hat recht.

Nun ist es aber auch so, dass in Düsseldorf Düssel floss nämlich Düssel Alt und viele  meinten, dass Düsseldorf aus diesem Grunde Düsseldorf hieße. Nun, man wird es in Ruhe miteinander austrinken. Man konnte früher einfach 'mal nachschauen www.düsselalt.de. Nun, es gibt es nicht mehr. Also, ist es nunmehr das Flüsschen.

 

Ex

Ex und Hopp, das waren einmal Werbegags. Beim Bier gab es lediglich das EX. Dies bedeutet keineswegs, dass mit dem Trinken "aus" sei, sondern, dass selbiges inhaliert wird. Klar, das geht schneller als schütten. Wer beim biertrinken schluckt, der muß ohnehin noch viel, viel lernen.

 

Exportbier

Anfänger glauben, dass es sich um ein Bier besonders hoher Qualität handelt. Kenner glauben, dass es sich um das "Zeug" handelt, das der Wirt sich nicht traut es seinen Hausgästen anzubieten und er selbst es auch nicht trinkt.

Der Autor kann hier wenig testen, da Exportbier in Düsseldorf nicht anfällt, weil es halt in der Regel sofort weggetrunken wird. und zumeist auch nur in Flaschen verfügbar ist.

Und nun einmal ganz ernsthaft, wer trinkt Bier aus Flaschen, wenn er in seiner Kneipe ein frisch gezapftes bekommt?

Selbst in den vornehmsten Sternerestaurants weiß man mittlerweile genau, dass der beste Durstlöscher halt Bier ist und versucht selbiges auch dort zu zapfen. Es gelingt mittlerweile auch.

 

Fassbier

Fassbier ist deshalb so beliebt, weil man es rollen kann. Nachdem die Transportfrage klar beantwortet ist, sollte man bedenken, dass es günstiger ist, kleine Fässer (ganz viele) zu haben, da man die jeweils austrinken kann und nichts schlimmer schmeckt als abgestandenes Bier - vielleicht Minthsauce.

Altbier lässt man immer "laufen". Einmal durch die Kehle und zum anderen aus dem Fass - ohne Kohlensäure. Pils bitte immer mit Kohlensäure zapfen. Hier versteht der Autor wenig Spaß. Lediglich Guiness zapft man mit Stickstoff, und das muss man nur wissen, wenn man es wirklich trinken will.

 

Flaschenbier

Falls Fässer zu groß erscheinen, kann man auch schon 'mal zur Flasche greifen. Für Notfälle lassen sich gut und gerne ein paar Stunden überbrücken.

Mittlerweile gibt es wieder die wunderschönen alten Flaschen mit Drahtbügelverschlüssen. Die machen "Eindruck", wenn man mit dem Zeigefinger solche Flaschen durch Aufschlagen öffnet.

 Achtung aber, wenn der Richtige kommt und einen Kronenkorken abbeißt.

 

Gerste

Ist schon einmal aufgefallen, dass Gerste nicht zu Müsli verarbeitet wird? Also weiter so! Wir Biertrinker werden es den Vegetariern schon zeigen.

 

Hausbrauerei

Wie der Name schon andeutet, die Brauerei, die sich im Hause des Bierfreundes befinden sollte. Da dies zumeist nicht möglich zu sein scheint, sind selbige bestrebt, ihre Wohnsitze dorthin  zu verlegen, wo nur wenige Schritte vonnöten sind. In vielen Fällen gelingt dies ja.

 

Hefeweizen

Ein sehr interessantes Weizenbier. So führt es schon erhebliche Mengen Kohlensäure von Natur aus mit. Die aufzuschüttelnde Hefe, die ebenfalls ins Glas mit eingegossen wird, tut nun ihr übriges. Man sollte so etwas wirklich nur tun, wenn man über entsprechend sicher arbeitende Rückschlagventile verfügt.

 

Hopfen

Hopfen und Malz, Gott erhalte sie! Erhalten aber bitte nur im Sinne von beschützen und keinesfalls im Sinne von bekommen. Das wäre einfach fatal für Düsseldorf. Schlussendlich ist geben seligen denn nehmen!

 

Kellner

"Nä Källner is e ne janz führnähme Köbes". Man begegnet diesen niemals in Kneipen, außer in deren Freizeit, wenn "se Doohscht hann".

Ein Besucher muß sich das so vorstellen: ein Kellner serviert mit Grandezza Flaschenbier. "Ne Köbes bringt dat läckere Dröppche in 'nem Jlas frisch jezappt", so berichtet schon der Uerige, so sagt der Fuchs, so meint der Schumacher, der Joh. Albrecht, der Schlösser, der Gatz, der Frankenheim und jetzt auch der Gulasch und der Kürzer. Man sieht, maskulinum!

 

Klarer

Dieser wird wegen seines wasserklaren Aussehens so benannt. Er ist, besonders nach ca. 15 bis 20 Bierchen, äußerst gefährlich. Es hilft übrigens nicht, wenn man ihn vor den 15ten bis 20sten Bierchen trinkt.

 

Kneipe

"Die" Kneipe ist der Lieblingsaufenthaltsort des Düsseldorfers. Jeder Düsseldorfer hat wohl seine.

Als Besucher muss man sich dies so vorstellen: Es gibt Sterne-Restaurants, nämlich ein bis drei Sterne, laut Michelin. Und dann gibt es noch die Kneipe. Leider ist unseren französischen Miteuropäern diese kulinarische und bierische Spitze weniger bekannt und konnte infolge dessen in all diese Ratgeber nicht aufgenommen werden.

Der Düsseldorfer wechselt niemals seine Kneipe, besucht aber ständig auch die anderen. Hieran sieht man, dass er sich in einem permanenten Weiterbildungs- und Bestätigungsprozess befindet.

Kneipen sind vielfach der Grund für "Überstunden". So komponierte schon ein Onkel des Autors einen Musettewalzer zum Thema:

„Will ich 'mal früh nach Hause gehn, dürften am Weg keine Kneipen steh'n!“

Von jenigem selbigen stammte auch die weise Lebensphilosophie: "In der kleinsten Kneipe ist es gemütlicher als in der größten Fabrik!"

 

Köbes - Köbesse

Der Köbes - die Köbesse. Falsch! Kein Plural. Hier sieht man deutlich die Emanzipationsfortschritte in Düsseldorf. Köbes wird man nicht nur durch lernen, durch Ausbildung, nein, so wird man wohl schon geboren. Alles Weitere bedarf dann der Praxis.

So ist seit Beginn der Kneipengeschichtsschreibung in Düsseldorf, und das ist schon ziemlich lange her, kein Fall bekannt, dass sich ein Köbes einmal verrechnet hätte. Außer natürlich beim Abschätzen von Trinkgeldern, verkehren doch auch Schwaben in Düsseldorf - auf der Durchreise nach Schottland. Denn Schotten sind wegen Verschwendungssucht außer Landes gewiesene Schwaben. Oder haben Sie, verehrte Leserin, oder Sie, verehrter Leser, vielleicht angenommen, dass ein Schwabe ein Restaurant oder eine Kneipe aufsucht?

 

Lokal

Lokal kommt 'mal wieder aus dem Lateinischen und heißt Ort. (nicht verwechsel mit locus neccessitatis). Den gibt es zwar auch, muss aber häufig separat pekuniiert werden) Nun darf man sich aber Ort keineswegs in der Verkleinerungsform, nämlich Örtchen", denken, denn dies ist nicht gemeint. Weil Örtchen in Bistros, in vielen Restaurants und sogar schon in einigen Kneipen ein reine Erpresserfunktion hat. Der Besucher möge doch 'mal so Stücker 10 Bierchen schlucken und dann versuchen, ohne Örtchen klarzukommen. Der Autor wettet, der Besucher zahlt!

Im Lokal befindet sich die Thekeoder der Tresen (man trinke dort nach) – der beliebteste Ort im Lokal..

 

Mönch

"Liquida non frangunt ieunum! Dies war zwar ein kleiner Schritt für den Mönch, aber ein Riesenschritt für die Mönchheit.; und wir alle partizipieren davon  

Ein jeder Biertrinker sollte also ruhig einmal darüber nachdenken, was wäre, wenn........ Dann kommen die Tränen, da läuft's kalt den Rücken herunter und siedend heiß wieder hinauf.

 

Malz

Weder Hopfen noch Malz geht beim Brauen verloren. Allerdings bei sogenannten "feinen Pinkeln", wie der Düsseldorfer sagt. Das sind die, die man hier nicht beachtet. Die, die nicht im Uerigen, im Füchschen, im Frankenheim, im Gulasch, im Kürzer, Im Schlüssel und auch allen anderen,  an der Theke stehen, weil: "Huch, wie unfein" gibt hier nicht einmal Prosecco. Kann man nicht Auto vorfahren. Kann man nicht Miezen abschleppen. Nääh, sagt der Düsseldorfer, heh jibbet kinne Miezen, heh jibbet Frauen unn die wäde nich anjemaht. Die jehöre zu wemm! Een voor de Kappes?

 

Ober

Ist ein Kellner ein "feinerer Pinkel", dann ist er ein Ober. Und diese Spezies Mensch hat, der mit Köbessen befreundete Biertrinker, weniger Kontakte. Er lehnt sie grundsätzlich nicht ab, meint aber, sie sollen in ihren Restaurants bleiben und höchstens als Biertrinker in seine Kneipe kommen. Aus einem Ober einen Köbes machen, ist sehr, sehr schwierig.

 

Obergärig

Falsch, liebe Bieranfänger, Obergäriges ist nicht das von Obern gegorene Bier.

Ober haben überhaupt nichts dort zu tun - weder im Sudhaus noch in der Kneipe. Obergäriges darf im Gegensatz zu Untergärigem auch aus Weizen hergestellt werden. Außerhalb Bayerns auch mit Zuckercouleur und sogar Zucker. Leben wir in Düsseldorf immer noch in Bayern?

Der Trinker glaubt gar nicht, was außerhalb unserer Biergrenzen noch so alles erlaubt ist.  Dass man in Ostasien Reis einsetzt, ist ja verständlich. Die haben doch keine Gerste und wir müssen es nicht unbedingt trinken.  Dass man auch Mais zum Bierbrauen nimmt, sollte man den US-Amerikanern nachsehen und keine Diskussion über "Genmais" beginnen.

Obergäriges wird zwischen15oC und 25oC vergoren. Das Düsseldorfer Alt ist herber und dunkler als das Kölsch, welches milder im Geschmack ist. Es verlautete, Damen zögen es vor.

 

Pils - Pilsner - Pilsener und Pilz

Letztere ist der unangenehmste, tritt er doch manchmal bei ständigem "Kneipenhocken" an sehr feuchten Stellen in der Schwemme auf. Also ruhig einmal bei längeren Aufenthalten die Füße lüften. Übrigens Pilzvergiftungen sind viel häufiger als Pilsvergiftungen, was ja wohl auch wieder für unser Braumeister spricht.

Pils reicht bei der Bestellung, der Kellner bringt dann schon das richtige, nämlich das, welches schmeckt. Anderes gibt es sowieso nicht. Mittlerweile kann auch beim Köbes Pils geordert werden, da unsere Düsseldorfer Altbierkneipen selbiges im Rahmen der Globalisierung und der Toleranz nunmehr im Ausschank (Ausguss bei Flaschenangebot) haben..

Pilsner Urquell ist eine seit 1842 geschützte Herkunftsangabe. Die dort haben ganz schön lange gebraucht! Seit 1295 wird nämlich in Pilzen gebraut.

 

Qualität

Auch hier haben die ISO-9000ff-Leute schlechteste Karten. Denn der "Biertrinker" versteht unter Qualität Güte und nicht Gleichmäßigkeit in der Produktion. Biertrinker erwarten nämlich Dienstleistung und nicht Eigenabsicherung.

 

Reinheitsgebot

In diesem Fall gilt ganz besonders die Beachtung der Rechtschreibung - nicht mit Rheinheitsgebot verwechseln, denn hier wird noch heftig d'ran gearbeitet.

Irgendwann einmal hatten die Bayern, na wer denn sonst schon, die "Faxen dicke". Wie es sich gehört, bedudelten sie sich erst einmal reichlich und beschlossen: jetzt ist Schluss! Wer noch einmal ins Bier pinkelt, wird bestraft. Man ging also spornstreichs dazu über und setzte die Bevölkerung in Kenntnis. Der lauteste Schreier informierte: "Morgen wird gebraut!" Nunmehr wußten die Frauen, dass "heute und auch morgen" nicht mehr gewaschen werden durfte, und für das Andere galt eben das Gleiche. Dann endlich im Jahre 1516 erschien im Bayerischen Gesetzblatt das Reinheitsgebot: Bier (untergäriges) darf nur, und zwar ausschließlich nur aus Gerste, Hefe, Malz und Wasser hergestellt werden. Man sieht, deshalb durfte man und darf auch heute nicht so fürchterliches tun, wie soeben beschrieben.

Es gibt natürlich noch eine Reihe weiterer Reinheitsgebote, die aber für Biertrinker einfach zu uninteressant sind, als  man sie hier auch nur erwähnen sollte.

 

Restaurant

Restaurants interessieren den Düsseldorfer weniger, hat er doch seine Kneipen. Anscheinend interessiert dies auch den Rest der Welt nicht, denn "Restaurant" ist im Brockhaus, 18. Ausgabe, nicht aufgeführt. Lediglich Restauration wird eindringlich als Wiederherstellung aufgezeigt.

Da so etwas in Düsseldorfer Kneipen auch nach den wildesten Orgien nicht passiert, können wir dies alles übergehen, mit der eindringlichen Warnung, aus diesem Behufe Restaurants zu meiden.

Für ganz vornehme sei darauf hingewiesen, dass Köche, die ein solches Etablissement betreiben, jedenfalls in Düsseldorf, Restaurantiers sind. Der Kneipenwirt ist selbstverständlich ein Kneipier.

 

Säufer und Säuferpass

Ersterer kann nur sein, wer zweiteren besitzt. Dieser führt, bei Vorlage beim Wirt, zum sofortigen Abbruch all' dessen Tätig- und eventuell Tätlichkeiten, zum sofortigen Anliefern mehrerer Altbier (können auch Pilsener sein).

 

Überhaupt kein Bier

Gibt es in Düsseldorf nicht.

 

Sex

Mit sex. ist nicht zu spaßen. Der Bierkenner weiß genau, worauf geachtet werden muss.

Sex. führt, besonders beim schönen Geschlecht, häufig zu Unwohlsein, da in diesen Kreisen dem Wein der Vorzug gegeben wird und demzufolge Probleme mit Bier auftreten.

Der Autor rät dringend an, sex. nicht in der abgekürzten Form zu verwenden, denn das führt zu Missverständnissen, da sex. die Abkürzung für sextariolus und auch sextarius ist. Und gerade in Damenkreisen, wie gesagt, viele lieben auch den Wein, ein sextarius schon viel zu viel sein kann.

 

Siphon

Schon Goethe besang ihn im "Getreuen Eckhart". Seitdem ging dieser verlustig.

 

Stammtisch

Das ist die Stelle, von der der Düsseldorfer abstammt. Er wurde zwar in der Regel nicht direkt hier geboren, aber sicherlich nicht besonders weit weg von dort.

 

Starkbier

Da das Düsseldorfer Bier ausreichend "getuned" ist, wird prinzipiell kein stärkeres benötigt. Hier gibt es Unterschiede zum bayerischen Bier. Aber manchmal gibt es ja auch "Latzen" und "Sticke" - sogar mit Dixieland. Der Autor kann diese empfehlen. Manche sagen allerdings: "Süß und klebrig." Na und, es schmeckt. Und nun möge der Leser doch einmal beim Schumacher oder Uerige nachsehen (-trinken), die haben nämlich manchmal so etwas.

 

Stiefel

Nein, nicht diejenigen, die man zum Marschieren anzieht. Nein, Stiefel aus Glas mit ca. 2 Liter Inhalt. Man ahnt schon jetzt, der vorletzte Trinker zahlt. Also, immer exen. Nein, das gelingt sicherlich nicht über Stunden. Und außerdem zahlt derjenige sofort, und zwar sofort der, der beim Trinken Luftbläschen im Stiefel hochsteigen läßt. So beim dritten Mal hat man den Dreh dann 'raus. Nun denn, hoch den Stiefel!

 

Theke

Theke kommt wohl aus dem griechischen - Behälter.

Zum Glück verstehen unsere Wirte dies nicht im Sinne von Behalten, sie schänken auch aus. Besonders willkommene Gäste bekommen auch schon einmal ein's geschenkt.

Wer ist ein geeigneter Gast? Nun, das ist so einer wie der Autor, der steigt in Bayern auf 2500 Meter Höhe, stürzt in eine "Hütt'n", hier sofort eine Radlermaß und eine zweite nach. Der Wirt fordert dann direkt auf, Stammgast zu werden. So soll es ein!. In Düsseldorf ordert man einen Meter Bier und ...siehe oben!

 

Tresen

Dieser dient vornehmlich zum Festhalten selbigens und nicht sich selbst. Von Tresen reden stets nur die Barbaren - die anderen natürlich von Theke.

Grundsätzlich besteht kein Unterschied. Wichtig ist allerdings die Breite. So müssen doch etliche Biere dort abstellbar sein. Selbstverständlich würde es reichen, wenn man das Glas vom Köbes direkt in die Hand nähme, aber manchmal wird ja auch der Biss in einen "Bremsklotz" mit vorherigem Aufschmieren von Mostert durchzuführen sein, und das wäre ja dann äußerst unbefriedigend. Auch nach Anlieferung eines Meters Altbier hätte man gewisse Probleme.

Deshalb befinden sich ja auf den Klavieren links und rechts der Tastatur jeweils Abstellflächen. so rät auch der Autor allen Musikstudenten Klavier in den Vordergrund der Studien zu stellen, oder kann man etwa auf einer Geige Bier abstellen?

 

Untergärig

Die hellen Pilsener gehören hierher. Es sind stark gehopfte Biere, schnellen Flusses, wie der Kenner sagt. Es gibt auch die dunklen Typen, die stark malzaromatisch angeboten werden, ebenfalls munden und zu beträchtlichem Konsum verleiten. Über den Gärprozess, bei 5oC bis 7oC und die Gesamtherstellung sei hier nicht viel gesagt. Man trinke besser.

 

Wasser

Ein Bestandteil des Bieres. Auch noch der Hauptbestandteil. Aber trotzdem, in richtiger Menge ist es prächtig. Nur, niemals in die Fässer nachfüllen. Das hat schon in Frühzeiten des Bieres zu nicht mehr gutzumachende Schäden geführt - an denen, die glaubten dies tun zu müssen.

 

Weizen

Weizen wird wie Gerste zum Bierbrauen verwandt. Da viele Altbiertrinker dies anscheinend noch nicht "mitbekommen" haben, mosern sie halt über "Weizenbier". Was würden die staunen, wenn sie wüßten, dass im Altbier..... Schwamm drüber.

 

Zapfen

Die gibt es überall in der Technik und auch auf gewissen Bäumen. Nur Altbier wird nicht gezapft. Es wird gezappt, nämlich vom Zappes. Genau genommen wird es laufen gelassen – aus dem Fass ins Glas – aus dem Glas in den Schlund.

 

Zappen

Das kann noch lange nicht jeder. So hat der Autor doch tatsächlich gesehen, dass ein "sogenannter" Zappes mit Kohlensäure an Altbier heranging.

Man merke: Altbier läuft ohne Kohlensäure ab und auch genauso durch die Kehlen. Sonst ist es zappenduster.

 

Zappes

Neben dem Köbes der wichtigste Mann in der Kneipe. Auf den Wirt kann man verzichten, auf den Zappes niemals.

 

Zischen

Das ist einfach zu erklären: Man stelle sich vor, ein Glas Altbier, Durst.......muß man hier wirklich noch Weiteres erläutern?

 

Konklusion

Keine Kneipe sollte weiter als 500 Meter vom Wohnort des Biertrinkers entfernt sein. Wobei 100 Meter wesentlich "freundlicher" wären. Allerdings nimmt der Düsseldorfer auch viel weitere Wege in Kauf, um an seine Marke zu kommen.