KulturKreis Duesseldorf
KulturKreis Duesseldorf
Heinrich Heine (Gemälde von Moritz Daniel Oppenheim, 1831)

 

2013

 

Heinrich Heines Düsseldorf von 1997 bis 2013.

 

 

 

Grundgesetz sei volle Gleichheit

Aller Gotteskreaturen,

Ohne Unterschied des Glaubens

Und des Fells und des Geruches.

 

 

Vor wenig mehr als zweihundert Jahren, nämlich 1797, wurde Harry Heine in Düsseldorf geboren, und selbst heute noch würde er wegen dieser Worte in den meisten Ländern verfolgt werden. Was hätte er bis 2011 nach seinem Tod 1856 (auch Robert Schumanns) in Düsseldorf erlebt?

 

Heines Sprache, Heines Musikverständnis, Heines Malereiauffassung, Heines Demokratieverständnis, Heines Kosmopolitismus, Heines Hang zum Geld, Heines Religion (er ließ sich evangelisch taufen - genau wie auch Felix Mendelssohn Bartholdy getauft wurde), mussten ihn ja vertreiben. Er ging als Düsseldorf kulturell aufblühte. Düsseldorf hatte seinerzeit fast zwanzigtausend Einwohner.

 

„Deutschland, meine ferne Liebe,

Gedenk ich deiner, wein’ ich fast!

Das munt're ‘Frankreich scheint mir trübe,

Das leichte Volk wird mir zur Last.“

Der kranke Heinrich Heine (Bleistiftzeichnung von Gleyre, 1851)

Bei Heinrich Heine drängt sich der Verdacht auf: „Nur ein toter Dichter ist ein guter Dichter.“ Es ist schwer, über Heine etwas zu sagen, das ihm gerecht wird und selbst noch heute andere nicht trifft. In unserer Zeit ist Heine immer noch nicht unbedingt Inhalt des Unterrichtes an Schulen - jedenfalls in Deutschland nicht. Auch in seiner Geburtsstadt ist sein Bekanntheitsgrad nicht eben riesig. Zumindest kennt man seinen Namen.

 

Was hat er denn getan, dass er auch heute noch geradezu gemieden wird? Nun, er hat Dinge gesagt, die immer noch Gültigkeit haben. So berichtete er 1825-1826 aus dem britischen Oberhaus:

„Die ganze Welt, sagt er, (Lord King) ist jetzt zu vernünftig, um Regierungen zu entschuldigen, welche ihre Untertanen wegen Religionsdifferenzen bedrücken oder irgendeines Rechts berauben. Irland und die Türkei könnte man als die einzigen Länder Europas bezeichnen, wo ganze Menschenklassen ihres Glaubens wegen unterdrückt und gekränkt werden.“

Sein, wie er sagte, Entrée Billet half nicht. Man fährt ja auch nicht nach Rom, um Luther-Denkmäler zu besuchen.

 

Hierzu meinte Rudyard Kipling

Oh, East is East, and West is West, and never the two shall meet,

Till Earth and Sky stand presently at God’s great Judgment Seat;

But there is neither East nor West, Border, nor Breed, nor Birth,

When two strong men stand face to face, tho’ they come from the ends of the earth.

 

Goethe hat nun in seiner unnachahmlichen Weisheit im West-östlichen Diwan festgestellt, was heute gewünscht, Heines Wunsch war, aber immer noch nicht erreicht ist

Wer sich selbst und andere kennt,

Wird auch hier erkennen:

Orient und Okzident

Sind nicht mehr zu trennen.

 

Was aber sagte Heine seiner Mutter:

„Ich bin’s gewohnt, den Kopf recht hoch zu tragen,

Meine Sinn ist auch ein bisschen starr und zähe;

Wenn selbst der König mir ins Antlitz sähe,

Ich würde nicht die Augen niederschlagen.“

Heines Düsseldorf, wie man weiß, war natürlich nicht Heines Düsseldorf, es war sein Paris und seine dortige Sehnsucht nach Deutschland, bis wieder gefährliche Deutsche kamen, die urplötzlich „ein Gedicht aus der Tasche zogen und über Philosophie sprachen.“

 

Heine schlug seinerzeit auf die deutsche Sprache ein, der Düsseldorfer hämmert darauf herum - wie wir sehen werden. Heine stand zu Lebzeiten in Deutschland auf dem Index. Heute feiert man ihn, zumindest immer häufiger. So ist der Lauf der Dinge.

Ludwig Börne, Gemälde von Moritz Oppenheim, Öl auf Leinwand (1827), WIKIPEDIA

Verehrung von ausgabelüsternen Despoten, die „24 Stunden am Tag Freizeit haben“, wie Heine meinte, und dann ein Denkmal vor dem Rathaus bekommen, ist einfach, denn die „prosaen“, „hymnen“, „lyren“, ja „wahrheiten“ nicht einmal, was bedeutet, man muss nicht denken, um sie zu verstehen. Man muss überhaupt nicht an sie denken, denn sie wurden lediglich geboren. Der hier sammelte Bilder, Musikinstrumente usw., und der kleine Harry Heine überlegte wie viele Kaffeelöffel man wohl aus so einem Reiterstandbild anfertigen könnte.

 

Sein späterer intimfeindlicher Freund, der Börne, meinte:

„Die Irrtümer eines großen Geistes sind belehrender als die Wahrheiten eines kleinen.“

Friedrich Schiller (von Ludovike Simanowiz, 1794) WIKIPEDIA

 

Immerhin, Händel kam speziell, und zwar dreimal, aus London, um diese Instrumente zu sehen. Schiller war von der übrigen Sammlung, vor allem den Antiken, höchst begeistert.

Die Düsseldorfer Gemälde bilden heute den Grundstock der Alten Pinakothek in München und der Rest ist in Mannheim. Zum fünfzigsten Geburtstag (1996) der Landeshauptstadt Düsseldorf erkannten unsere Offiziellen dies nun als „Erbschleicherei“. Heinrich Heine meinte passend:

„Gebe Gott, was Gottes, dem Cäsar, was des Cäsars ist! - Aber das gilt nur vom Geben, nicht vom Nehmen.“

Georg Friedrich Händel, WIKIPEDIA

Goethe vergaß in seinen Briefen an Jacobi niemals, den „wackeren“ Krahe zu grüßen, ohne den es wenigstens diese Gemäldesammlung in Düsseldorf nicht gäbe.

 

Der Düsseldorfer meint also, datt se de janze Bilder wegjeschafft han. Na klar, de halbe oder de kapotte will ja woll ooch kinner hann. Das meint der Düsseldorfer ja auch nicht. Ganz bedeutet in diesem Falle ja auch lediglich alle. Das ist doch ganz einfach.

 

Heine sagte:

„Wie die Römer selbst blieb mir immer verhasst ihr Rechtskodex.........Wahrhaftig jenen römischen Dieben verdanken wir die Theorie des Eigentums, das vorher nur als Tatsache bestand, und die Ausbildung dieser Lehre in ihren schnödesten Konsequenzen ist jenes gepriesene römische Recht, das allen unseren heutigen Legislationen, ja allen modernen Staatsinstituten zugrunde liegt, obgleich es im grellsten Widerspruch mit der Religion, der Moral, dem Menschengefühl und der Vernunft steht.

Nun hat seine Universität, er ist ja endlich Namensgeber geworden, auch ein Juridicum. Sogar mittlerweile auch ein Oeconomicum. Hier könnte er viel lernen.

 

Johann Wolfgang von Goethe, Ölgemälde von Joseph Karl Stieler, WIKIPEDIA

Was hätte Heine sich gefreut, wenn er erlebt hätte, dass die Düsseldorfer den leibhaftigen Kronprinzen mit de Päädsäppele jeschmissen hant?

 

„Ein für ihn geringerer Affront als die lächelnde Ungleichheitslehre des Aristokratismus.“ Heutzutage könnte er viel über den Parteienproporz reden und schreiben.

 

Gerne wäre Heine vom neuen Jahrhundert geküsst worden (um mein Wiege spielten die letzten Mondlichter des achtzehnten und das erste Morgenrot des neunzehnten Jahrhunderts), genauso wie Georg Herwegh gerne hingegangen wäre „wie das Abendrot“. Typisch, wie nach den „Symphonischen Dichtungen“, auch das „Leidmotiv“ dieser Vertonung von Liszt, als Leitmotiv von Richard Wagner genial vollendet den Tristan ermöglichte.

 

Prüfen wir einmal, ob Heines Aphorismen nicht auch im heutigen Düsseldorf Gültigkeit haben und betrachten wir einmal, wer zu Heines Zeiten in Düsseldorf lebte, wirkte und es besuchte. Heine fühlte sich zu dieser Zeit nicht wie „Gott in Frankreich“ sondern viel besser – wie „Heine in Paris“.

 

Übrigens hatte Heine auch schon zuweilen eine sehr ehrliche Ausdrucksweise:

„Ein Gesicht wie ein Fötus im Weingeist.“

 

So etwas würde der Autor dieser Zeilen nicht einmal denken, obwohl er ein paar Typen kennt, die.....

 

 

Friedrich Heinrich Jacobi nach einem Portrait von Johann Peter Langer (1801), WIKIPEDIA

Auch seine Forderungen artikulierte Heine sehr direkt:

„Im Fall Sie sich nicht auf Pistolen mit mir schlagen wollen, erkläre ich Sie nicht bloß für einen elenden Lügner, sondern auch für eine feige Memme.“

 

Heine hatte die Zensoren, wir haben heute einige Taxifahrer, Köche, Kellner, Hotelbetreiber und das Ordnungsamt. Die einen waren recht zäh gegenüber dem Geist, die anderen gegenüber dem Gast.

 

Nun muss man wissen, dass der Düsseldorfer (beinhaltet natürlich auch die Düsseldorferin, und zwar zuallererst) grundsätzlich seine Hausbrauerei hat, die er nur in Notfällen (man nennt das hier auch Geschmacksverirrung) nicht aufsucht, wenn es um das Trinken von Bier geht.

 

„Wennze watt wäärst, würdste mich önn Bier ussjääwe!“

 

Niemals wählt der Düsseldorfer in diesem Falle die direkte Anrede, was ja auch unschicklich wäre: „Äh, jiww mich önn Bier us!“ Es fehlt bei dieser Artikulation eben halt auch noch der sound.

 

Der Düsseldorfer geht nun ‘mal eben häufig ‘raus. Das bedeutet keineswegs hinaus, sondern heißt, dass er in seine Kneipe hinein geht. Er geht also „draußen“ essen und trinken. Richtig, nicht draußen essen und trinken, sondern auswärts essen und vor allen Dingen trinken. Wenn er dann also „draußen“ essen oder trinken ist, dann geht er auch ‘mal ‘raus (besonders häufig nach entsprechendem Biergenuss. Siehe Jean Paul (der arme Poet aus Hof), den Heine und besonders Schumann schätzten: Trinke ich Kaffee vor dem Bier, so muss ich oft.....

Wenn also ein Düsseldorfer in seinem Biergarten sagt, er gehe ‘mal ‘raus, dann meint er natürlich in diesem Falle, dass er ‘reingeht, nämlich zum Austreten, was wiederum heißt, dass auf keinen Fall dort getreten wird.

Georg Herwegh, WIKIPEDIA

Watt liehrt mich datt?“ So fragt der Düsseldorfer dann. Nun, da der Düsseldorfer sich ja in einer dialektfreien Hochsprache eloquent artikuliert, is datt janz eenfach. Zuhöre un’ de Schnüss halte!

 

Falls Sie, lieber Gast, ein Bier bestellen wollen, so brüllen Sie dem Köbes nach: „Äh, donn mich’n Bier!“ Äh, weiß dann schon, watt Äh bringt. Angeres Bier jibbet nämlich do nit. Weiter geht es dann: „Äh, noch’n Bier!“ oder „Äh, noche eens!“ Bestellen Sie zum Bier ‘nen „Bremsklotz“. Däh Mostert kütt dann sowieso dazu. För de Bremsklotz könne Se ooch Frikadell sahre. Bei Bulette kieke de Köbesse janz kariert. Se könne ooch Läwerwohsch, Flöns met Ölk oder entsprechende andere Delikatessen ordern. Watt de Autor empfeehle däht, dat sinn Riefkooke. Dä Köbes ist dat, wat in ‘nem Restaurant däh Kellner is. Mittlerweile jibbet och ne janze Reihe Köbessen (Plural von Köbessin) neeben dä Köbesse..

 

Däh Düsseldorfer saacht immer Du föhr Dich und nich Sie. Dat liecht an’ne Geselligkeit un’ an ‘nem Bier.

 

Un watt säht nu däh Heine?

„In der Sprache der Düsseldorfer merkt man schon einen Übergang in das Froschgequake der holländischen Sümpfe. Ich will der holländischen Sprache beileibe nicht ihre eigentümlichen Schönheiten absprechen, nur gestehe ich, dass ich kein Ohr dafür habe. Es mag sogar wahr sein, dass unsere eigene deutsche Sprache, wie patriotische Linguisten in den Niederlanden behauptet haben, nur ein verdorbenes Holländisch sei. Es ist möglich.“

Clara Schumann 1878/1879 Pastell von Franz von Lenbach, WIKIPEDIA

Es gibt zwei Begriffe, die vielfach von Besuchern falsch verstanden werden: Doll und Jeck. Damit Sie, verehrte Besucherin und Sie, lieber Besucher, das auch richtig verstehen, will Ihnen der Autor kurz erläutern, was diese Superlative zwischenmenschlicher Verständigung in Düsseldorf bedeuten: So hat der Autor ne „dolle“ Frau zu Huss. Un datt weil se ömm nämlich kräftig Bescheid jibt. Weil se sich nich zu fein is, ooch im Fükssche ze jonn und weil se immer för em do is.

 

Wenn man die Urdüsseldorfer Hochsprache übersetzt, so bedeutet doll in diesem Falle megatoll oder sogar hip. Nun gibt es noch ein anderes doll. Und für dieses doll ist die Steigerung jeck. Das ist man in Düsseldorf aber zumeist nur an Karneval. Der Düsseldorfer unterscheidet jecke Dolle und dolle Jecke. Vor dem Uerige, im Sommer, janz Düsseldorf is do. Eener steht esu do erümm, mit enem Bierjlas in ne Hand. Do kütt önne Bekannte vohrbee. Schon beginnt die Konversation in perfektem und dialektfreiem Deutsch:

„Äh, Du Doll!“

„Tach, Du Jeck!“

„Watt mäckst Du denn hee?“

„Jett drinke!“

„Wie, hässe Doosch?“

„Na klaa, Du Jeck, esonst wööd ich ja net hier erröm stonn!“

„Wie, errömm stonn? Du biss doch bim Suffe!“

„Ja, soll ich denn änz enur su errömm hänge?“

„Näh, natürlich nit. Wie jeht ätt Dich denn esu?“

„Jood!“

„Un dinge Frau?“

„Jood!“

„Un de Kingers?“

„Jood!“

„Un dinge Auto?“

„Datt löppt!“

„Un esonst?“

„Ooch Jood!“ (Dä Köbes kütt vorbee)

„Äh, donn demm Doll noch en Bier! Datt jäht of mich!“

„Äh, unn demm Jeck ooch eens von mich!“

Nach Anlieferung der Biere:

„Na, dann, errunger domit!“

„Also, machet jood! Bis de Tahre.

„Jood, jrüß zu Huss!“

Robert Schumann in an 1850 daguerreotype, WIKIPEDIA

Alle Dollen werden zu Karneval und zur Kirmes zu Jecken. Deshalb unterscheidet man jecke Dolle und dolle Jecken. Der Unterschied ist sehr einfach. Felix Mendelssohn hatte ihn schon erkannt:

 

.....aber heut’ ist Kirmes, das heißt, ganz Düsseldorf trinkt Wein (Bier). Nicht als ob’s das nicht jeden Tag auch täte, aber es geht spazieren dabei. Nicht als ob’s das nicht jeden anderen Tag täten, .......

 

Genauso ist das mit dem jecken Doll und dem dollen Jeck. Mal so und mal so.

Man sieht, im Gegensatz zum Berliner, der ja keinen Akkusativ kennt, benutzt der Düsseldorfer ihn in seiner vollendeten Schönheit.

Felix Mendelssohn Bartholdy, Gemälde von Eduard Magnus (1846), WIKIPEDIA

Auch Clara Wieck echauffierte sich über die harte Aussprache der Rheinländer und ganz besonders über die der Düsseldorfer. Ihr Mann, der Herr Dr. Robert Schumann, ereiferte sich mehr noch über die Unarten der Musiker seines Orchesters und hier besonders über die Prügeleien. Die ständigen „Saufereien“ nahm er gelassener hin.

 

Felix Mendelssohn Bartholdy berichtete ausführlich hierüber nach Leipzig. Ferdinand Hiller, der städtische Musikdirektor in Düsseldorf (1847 - 1849) vor Robert Schumann, der selbigen nach Düsseldorf holte, hatte weniger Probleme mit dem Orchester. Heute würde man ihn als autoritär beschimpfen. Aber was soll es, man hat ihn wohl genauso per Dekret vergessen wie Felix Mendelssohn Bartholdy, der ja auch Musikdirektor in Düsseldorf war und hier auch zusätzlich noch während der Niederrheinischen Musikfeste Einmaliges leistete.

 

Heine meinte:

 

„Der Abraham hatte mit Lea erzeugt

Ein Bübchen, Felix heißt er,

Der brachte es weit im Christentum,

Ist schon Kapellenmeister.“

 

Auch ihm selbst half es nicht, es erging ihm genau wie den anderen „Täuflingen“. Warnte ihn doch sein Vater: „Nenne Dich Felix Bartholdy - heißt Du Mendelssohn, bist Du eo ipso ein Jude, und das taugt nicht, schon weil es nicht wahr ist!“, Ebenso Heinrich Heine beschreibt Ferdinand Hiller als vortrefflichen Landsmann und reiht ihn bei Mendelssohn, Mozart, Liszt und Meyerbeer ein.

 

Richard Wagner (Porträt von Cäsar Willich), um 1862, WIKIPEDIA

„Hiller besitzt eine artistische Wahlverwandtschaft mit Goethe. Auch Hiller ward geboren zu Frankfurt, wo ich bei meiner letzten Durchreise sein väterliches Haus sah; es ist genannt ‘Zum grünen Frosch’, und das Abbild eines Frosches ist über der Haustüre zu sehen. Hillers Kompositionen erinnern aber nie an solch' unmusikalische Bestie, sondern nur an Nachtigallen, Lerchen und sonstige Frühlingsvögel.“

 

Was muss das ein Genuss gewesen sein, als die „Düsseldorfer“ Felix Mendelssohn Bartholdy und Ferdinand Hiller den grandiosen Virtuosen Franz Liszt zähmten. Sie gaben das Konzert für drei Klaviere von Bach - in Leipzig, dem "Klein Paris" Goethens. Wogegen man in Düsseldorf, warum auch immer, von klein Paris spricht.

 

Der Autor empfiehlt vor allen Dingen das Klavierkonzert in fis-Moll von Ferdinand Hiller zu hören. Übrigens, Robert Schumann widmete Ferdinand Hiller, den er sehr verehrte, sein Klavierkonzert in a-Moll. 1996 konnte sogar ein Autograph selbiges für Düsseldorf erstanden werden.

 

Im Vergessen von Leistungen und großen Düsseldorfern, so scheint es, ist man daselbst schon immer „jood“ gewesen.

 

Wilhelm Schadow 1821 (Zeichnung von Carl Christian Vogel von Vogelstein), WIKIPEDIA

Der Name Felix Mendelssohn Bartholdy „wurde“ fast völlig aus Düsseldorf verschwunden. Übrigens, genauso wie viele seiner anderen Werke aus der Musikliteratur verschwanden. Denken Sie nur einmal an das Konzert für Klavier und Streichorchester in a-Moll, oder an die Konzerte für zwei Klaviere und Streichorchester in E-Dur und As-Dur. Zwei Werke, die richtungsweisend waren. In Düsseldorf schrieb er übrigens den Paulus. William Sterndale Bennett besuchte Mendelssohn in Düsseldorf zur Uraufführung. Mendelssohn führte übrigens auch Chopin bei Schadow ein. Schadow ist mittlerweile auch nur noch ein Schatten seiner selbst in Düsseldorf. So wohnte der Autor einem Gespräch an den Schadow-Arkaden bei: „Und das sind die Schatten-Arkaden.“ „Du weißt aber gut Bescheid in Düsseldorf!“ Nach längerem Überlegen, wo die Schatten-Arkaden nun wohl seien, kam dem Autor die Erleuchtung: shaddow! Vielleicht geschieht es ihm ja zu recht. Warum ist er auch nach München gegangen?

 

Peter Cornelius, WIKIPEDIA

Däh Düsseldorfer jeht inne Kneipe. Däh säht dann: Ich mach däh Wäch zum Uerich anne Schloßturm vorbee.“ Selbstverständlich fertigt selbiger selbigen nicht erst an. Er benutzt ihn nur, und zwar zum Hingehen. Schließlich gibt es diesen ja schon seit etlichen Jahren. Aber, das ist ja wohl klar?

 

Heine hätte sich mit Mendelssohn in Düsseldorf wohl richtig gut verstanden. Ein „Aristokrat“ aus Berlin (Sohn eines richtigen Kaisers) spuckte selbigem vor die Füße mit dem Ausruf: „Hepp, Hepp!“. Heute muss man im "Gotha" nachsehen, um den Namen dieses Jenigen zu entdecken. Niemand kennt ihn mehr. Mendelssohn hingegen ist immer noch besser bekannt und gefürchtet sowieso, nicht zuletzt wegen seiner kleinen Etüde in a-Moll. Diese nicht ganz 90 Sekunden Spielzeit legen Sie elegant hin, wenn Sie vorher so ca. 10 Jahre, und zwar täglich 3 bis 4 Stunden intensiv geübt haben, Jahrzehnte Spielpraxis haben und natürlich mit Talent gesegnet waren.

 

Direkt nach Mendelssohns Tod wagte dann Richard Wagner sein bekanntes Pamphlet abzudrucken. Das ist sogar unter dem Gesichtspunkt ....sub species aeternitatis ...., auch Heine beschäftigte sich intensiv mit Spinoza, äußerst lesenswert. Heines Aphorismus: „Er sprudelte von Dummheit“ passt genauso wie sein: „Jeder Zoll ein Lump!“ Thomas Mann erkannte diesen später als den „schnupfenden Gnom aus Sachsen, den er das „Pumpgenie“ nannte. Nun schrieb und formulierte dieser Meister, auch der Alliteration, allerdings so, dass zumeist schon in den folgenden Sätzen genau das Gegenteil deutbar war.

 

Als Mendelssohn nach Düsseldorf kam, endete sein erstes öffentliches Auftreten in einer Pfeifforgie zu höheren Ehren der Dummheit. Der Regierungspräsident bat um Nachsicht für einen seiner Mitarbeiter, der diesen Affront wohl organisatorisch betreute. „Hepp, Hepp!“

Heine wurde mit Mengen Unrat beworfen. Allerdings darf mit Befriedigung festgestellt werden, dass man ihn damit nicht erreichte. Irgendwann einmal, wenn der Niedergang der Gymnasien vollendet sein wird, dann holt man ihn wieder heraus, aus der Versenkung. Erst langsam und dann immer schneller. Man wird ihn dann hier wohl in Englisch lesen. Vielleicht ist das noch nicht einmal schade, denn da ist er ohnehin viel bekannter. Schade, dass er es nicht erlebte, als Düsseldorf Landeshauptstadt wurde. Was hätte er wohl zur Festschrift "50 Jahre Landeshauptstadt Düsseldorf" beigetragen? Nun, falls man ihm tatsächlich Mitarbeit angetragen hätte, wäre sein pekuniäres Vorstellungsvermögen wohl außerhalb der städtischen Möglichkeiten gewesen.

Joseph Joachim, WIKIPEDIA

Was hätte er zur Festschrift gesagt? Der Autor weiß das natürlich nicht, aber Heine sagte einmal, und zwar in anderem Zusammenhang: „Zum Glück sind meine Landsleute ein harmlos fröhliches Völkchen, sie sind im Rausch gutmütig.....“. Man soll wirklich hoffen, dass sich das Verhältnis zur Landesregierung bessern werde und man nunmehr damit anfangen möge, so die Laudationes. Heine meinte: „Wenn man einen König prügelt, muss man zugleich aus Leibeskräften „Es lebe der König!“ rufen. Heute hätte er Landesmutter formulieren müssen.

 

Vertrauet eurem Magistrat,

Der fromm und liebend schützt den Staat

Durch huldreich hochwohlweises Walten;

Euch ziemt es, stets das Maul zu halten.

 

Wundert es Sie, verehrte Leserin, lieber Leser, dass man dem Heine wegen dieser Worte „eins op de Schnüss jäwe wööd“.

 

Schade, dass man in Düsseldorf Mendelssohn, Hiller, Cornelius (Sohn), Meyerbeer, Spohr, Spontini, Verdi, Schumann nicht etwas mehr beachtet, statt sich zu bemühen permanent und jährlich mit den allmählich jedem hinreichend bekannten Wagner-Aufführungen aufzuwarten. Wahrscheinlich werden diese demnächst auch noch per DIN/ISO-Qualitätssicherung durchgeführt. Dann gibt es endlich das Mittelmaß auf allerhöchstem Niveau. Zum Glück ist man dabei Änderungen durchzuführen. Nun müssen diese nur noch angenommen werden. Vorreiter ist wieder einmal das Ballett.

 

Heinrich Heine sagte einmal:

„Ich las das langweilige Buch, schlief drüber ein, im Schlafe träumte ich weiter zu lesen, erwachte vor Langeweile, und das dreimal“.

 

Abgesehen von den heutzutage (ä manchmahl und manche Lück) leicht irritierenden Wagner-Texten, die auch nicht verständlicher werden, wenn Nornen mit Lasern spielen, ist wohl die Einheit des Musikdramas nicht nur durch die Texte, sondern hochgradig auch durch die Bühnenbildung der post moderne mindestens gefährdet.

 

Es ist anzunehmen, dass Musiktitan Richard Wagner, ein Choleriker der Extraklasse, nicht nur die Intendanten ohrfeigen würde, sondern die Besucher solcher Machwerke noch viel lieber, obwohl er ja feststellte, „……wird man den Parsifal doch schlussendlich in Opernhäusern geben.“

Johannes Brahms, WIKIPEDIA

Der Düsseldorfer beginnt häufig, das heißt, fast immer ein Gespräch: „Jetz ma ährlich, ohne ze kohle, ... Natürlich ist der Düsseldorfer kein Permanentlügner und möchte lediglich dieses eine Mal die Wahrheit sprechen, sondern er möchte seinen Worten nur seinen eigenen Nachdruck verleihen. „Dat is doch nich normal, datts de dat joode Bier nur so erungerschütte dähts. Datt kannste doch ja nich geniesse donn unn ich hann Dich datt völlig ömsonst jeschickt!“

 

Nein, natürlich meint der Düsseldorfer nicht umsonst, denn sein Kumpel hat es ja schließlich getrunken. Er meint lediglich kostenlos. Man versuche einmal diesen Sachverhalt einem Düsseldorfer zu erklären. Vorsicht, hierbei könnten Freundschaften in die Brüche gehen.

Heines Sprache und Mendelssohns Musik - was hätte die Opernbühne erleben können. Zwar wären dann zeitweilig die Aufführungen: Komponist unbekannt, Dichter verschollen, vonstattengegangen, aber Heine hatte sich hierzu schon an anderer Stelle richtig geäußert.

 

Die Familie Schumann wohnte von 1852 bis 1854 auf der Bilker Straße. Die Inschrift verkündete deutlich:

Hier wohnten Clara und Robert Schumann.

Der Autor möchte darauf hinweisen, dass es vielleicht heißen könnte:

Ab 1854 Clara Schumann und Johannes Brahms

 

Heine meinte einmal:

„Die haben es in der Ignoranz am weitesten gebracht!“

Vielleicht macht sich auch eine Plakette in dieser Form auf der Poststraße gut:

Clara Wieck - Johannes Brahms.

 

Wie würde auch der Düsseldorfer formulieren: „nichts Genaues weiß man nicht!“

Selbiger, der Brahms, ist eine Zierde jeder Stadt. Soll man in Düsseldorf nur „schön gekämmte, frisierte Gedanken“ haben, wie Heinrich Heine meinte? Er würde heute darüber lachen, und zwar lauthals. Ja, die Düsseldorfer scheinen äußerst rücksichtsvoll zu sein.

 

Robert Schumann schrieb in Düsseldorf unter anderem das Cellokonzert op. 129, die Symphonie Nr. 3 in Es-Dur, überarbeitete die 2. Symphonie, die dann die 4. Symphonie wurde, die Messe 0p 147, das Requiem op. 148, die Faust-Ouvertüre, die Phantasie für Violine und Orchester in C-Dur und das Violinkonzert, das er Joseph Joachim widmete. Letzteres verschwand, nicht zuletzt auf Anraten von Johannes Brahms (es gibt erstaunliche Ähnlichkeiten im Brahms’schen Violinkonzert) erst einmal in der Versenkung, nachdem auch die Düsseldorfer vehement eine Aufführung verhinderten. Es wurde 1937 von Georg Kulenkampff als einem der Ersten aufgeführt, und zwar in einer Bearbeitung von Paul Hindemith.

Bettina von Arnim, WIKIPEDIA

Vielleicht sah sich Robert Schumann als Siebenkäs' aus Kuhschnappel (Jean Paul war einer seiner bevorzugten Poeten. Er lehrte ihn Kontrapunkt). Vielleicht war er auch, wie er meinte, tatsächlich erblich belastet. Vielleicht sprang er auch aus Verzweiflung über Clara in den Rhein. (mittlerweile treten Zweifel an diesem Geschehen auf) Aufzeichnungen, außer genauen Aufzählungen seiner ehelichen Tätigkeiten, gibt es leider nicht in dieser Akribie. Sie wurden wahrscheinlich „verloren gegangen.“ Seine Frau Clara besuchte ihn ja tatsächlich auch selbst einmal in Endenich, wo er zwei Jahre zubrachte, einen Tag vor seinem Tode. Er starb, während Clara mit Johannes Brahms zu Mittag speiste.

 

Auch Joseph Joachim wird in Düsseldorf nirgendwo gebührend erwähnt. Schade! Er war häufig zu Gast bei Johannes Brahms und Clara Wieck.

 

Bettine von Arnim kam nach Düsseldorf zu Clara Wieck, um das Weberlied von Heinrich Heine vertonen zu lassen. Clara Wieck lehnte ab. Sie komponierte in Düsseldorf derzeit eine Musik, die man direkt beim Hören vergisst. Erst in Düsseldorf unterrichtete Robert Schumann seine Frau im Kontrapunkt. Erstaunlich, dass sie vorher ohne polyphonieren konnte. Interessant, die Anzahl der Platanen um Schumanns Grab, die Franz Liszt in Zusammenhang mit Schumann brachte.

 

Für Louis Spohr gibt es eine Plakette. Was würde wohl Heine im Hinblick auf Felix Mendelssohn Bartholdy und Düsseldorf sagen? Vielleicht:

„Diese Menschen müssen Stockschläge im Leben haben; denn nach ihrem Tode kann man sie nicht bestrafen, man kann ihren Namen nicht schmähen, nicht fletrieren, nicht brandmarken - denn sie hinterlassen keinen Namen“.

 

Heinrich Heine ging nach Paris und die Schumanns sagten: „Miserable Menschen hier“. Clara sprach von niederträchtigem Volk. Sie unterstellte wohl ihr Verhalten gegenüber Franz Liszt den Düsseldorfern.

Franz Liszt im hohen Alter, WIKIPEDIA

Es sei der Hinweis erlaubt, dass Robert Schumann als Dirigent mit genauen Vorgaben der Aufführungen angestellt war und nicht als freier und unabhängiger Komponist. Es sollte nach den nicht gerade dirigentischen Meisterleistungen Robert Schumanns eigentlich kein Affront sein, als man ihn aufforderte (statt bat), nur noch seine eigenen Werke zu dirigieren und alle anderen Aufführungen an Julius Tausch abzugeben. Nur, man hätte es vielleicht feinfühliger tun können. Schlussendlich erhielten die Schumanns auch weiterhin ihr Salär.

Der Düsseldorfer Bürgermeister Hammers hatte seinerzeit, nach der von Robert Schumann erfolgten Kündigung, die Stadtkasse angewiesen, den städtischen Anteil an seinem Gehalt nach Ausscheiden auch im darauffolgenden Jahr anzuweisen.

 

Der Düsseldorfer ist doch ansonsten ein Meister der Feinfühligkeit, wie ja auch die Schrift zum 50. Jahrestag der Landeshauptstadt deutlich unterstreicht.

 

Hierzu eine authentische Unterhaltung, der der Autor beizuwohnen die große Freude hatte:

„Also, hörens!“

„Watt?“

Ja, hierens ezu“.

„Wieso?“

„Ja halt dochens endlich mal de Schnüss, damit ich Dich watt verzelle kann!“

Wiese et Maul?“

„De Schnauze sollste halte, damit ich Dich endlich watt verzelle kann!“

„Ja, dann donn et doch endlich emohl un quatsch enitt so elange dröm eröm!“

Wennste jetzt nich endlich dinge Maul hälst, dann sach ich Dich überhaupt nix mähr. Also, jestern...“

„Wann?“

Jestern hann ich....“

„Wer?“

„Na ichens....“

„Watt hässe?“

„Ich hann jestern versöökt....“

„Watt hässe versöökt?“

„Ja, da hannisch versöökt...“

„Sach bloß?“

„Ja klar, ich hann versöökt...“

„Mhm, ja, hässe datt?“

„Hannisch, jedonn unn....“

„Enäh, is dat wohr?“

Karl Immermann, Zeichnung von Carl Friedrich Lessing, 1837, WIKIPEDIA

An dieser Stelle sollte das Zuhören unterbrochen werden. Es ist allerdings trotzdem davon auszugehen, dass nach ca. einer Stunde (entspricht in etwa dem Konsum von fünf bis acht Altbier) weder Handgreiflichkeiten noch irgendwelche Missverständnisse aufgekommen oder verblieben sind.

 

Düsseldorf verfügt allerdings über „böse“ Musikkritiker. So stellte doch einer von ihnen fest: „Düsseldorf arrangiert sich leichter mit Mittelmäßigkeit als mit Genies.“

 

Johann August Franz Burgmüller wurde 1812 in Düsseldorf als Musikdirektor angestellt. Er war maßgeblicher Mitbegründer (eigentliche der alleinige) der Niederrheinischen Musikfeste und leistete immerhin so Bemerkenswertes, dass Carl Friedrich Zelter ausführlich über ihn an Goethe berichtete. Sein Sohn, Norbert Burgmüller, wurde von Schumann hoch geschätzt und sollte jedem Klaviereleven, mindestens in den frühen Lernphasen, äußerst unangenehm aufgefallen sein. Im Gegensatz zu Heine war dieser mit Grabbe, von dem Heine sagte: „…er starb an Selbsttrank“, enger befreundet. Man berichtete, dass Düsseldorfer Mütter ihre Töchter vor Burgmüller und Grabbe warnten, wenn diese beiden „dem Tranke hold“ gemeinsam durch die Stadt zogen.

 

Das Theaterleben blühte unter Karl Immermann auf. Düsseldorf hatte zu dieser Zeit mittlerweile fast schon fünfundzwanzigtausend Einwohner mit einem riesigen „Kunstverlangen“.

 

Leider verstanden sich Felix Mendelssohn Bartholdy (dto. Schadow) und Carl Immermann (Recht auf seiner Seite) nicht. Der eine ging nach Leipzig und der andere scheiterte auch bald danach in Düsseldorf.

Salomon Heine auf einem Gemälde von Carl Gröger, WIKIPEDIA

Hierzu gibt es erstaunliche Parallelen. So vertrieb Dingelstedt Franz Liszt aus Weimar.

Düsseldorf, Weimar und auch Leipzig hatten zu Heines Lebzeiten viele Gemeinsamkeiten. Fast alle Musiker und Dichter verkehrten in diesen Städten. Und Ferdinand Freiligrath? Natürlich mochte Heinrich Heine ihn nicht.

 

„Oh lieb so lang du lieben kannst“......,

von Franz Liszt als Romanze, Nocturne und auch später dann als Liebestraum, As-Dur, vertont, hätte ihm sicherlich gefallen, obwohl er sagte, Freiligrath ahme Victor Hugo nach und er sei Genremaler und seine Genrebilder seien türkische Holländereien. Wahrscheinlich hat Heinrich Heine keine Kenntnis desjenigen Briefes gehabt, den Freiligrath an den „Malkasten“ schrieb, in dem er seine einstimmige Aufnahme wegen Schadows Einspruch zurück nahm.. Er hätte von Schadow dann wohl anders gesehen und Freiligrath wohl mehr geschätzt.

 

Fragt man einen Düsseldorfer: „Wie hät’ et Dich gefalle?“ So däht däh antwoode: „Janz jood.“

 

Nun ist es aber so, dass janz (ganz) nicht vollständig heißt und jood auch nicht gut. Es bedeutet nämlich: Mich jeht et eso lala. Also, föhr'n Vührnähme: Es geht so. Un wenn dä Främde dat nich verstehe däht, dann isser dat selber in Schuld.

 

So sagt der Düsseldorfer auch: Dat issen ne janz Jenaue. Gemeint ist, dass es sich um eine geizige Person handelt. Un nen Stickummer ist ein stiller Mensch, der alles ein bisschen heimlich donn däht.

 

Man sieht, der Düsseldorfer ist recht einfach zu verstehen. Bahnhof Düsseldorf-Zoo. Es gibt zwar den Bahnhof, aber nicht den Zoo. Ett is halt eso, datt die Miete höher sinn, wenn ett Zooviertel heesse däht. Unn datt will däh Düsseldorfer ewoll. Zeije, datta datt bezahle kann. Heine formuliert:

 

„Die deutsche Sprache an sich ist reich, aber in der deutschen Konversation gebraucht man lediglich den zehnten Teil dieses Reichtums, faktisch ist man also spracharm“.

 

Hah! Hier würde Heine heute irren. Der Düsseldorfer erfindet nicht einfach nur neue Worte hinzu, nein, er gibt bekannten Worten auch noch neue Inhalte, und dies zwingt ihn wiederum mit erheblichem Wortaufwand Erklärungen abzugeben, die er nicht abzugeben bräuchte, wenn er sich der zum Teil auch in Düsseldorf gesprochenen deutschen Sprache bediente. Wie könnte man sich auch sonst beim Bier streiten, wenn man die Missverständnisse nicht durch die Sprache selbst aufbaute. Dieses gilt nicht für Wörter! Der Düsseldorfer ist schreibfaul!

 

„Ich hann Dich datt Bier nit extra über de Buchs jejosse!“ Natürlich meint der Düsseldorfer „nicht absichtlich“, aber das weiß wahrscheinlich nur der Düsseldorfer.

 

„Dat donn ichens jerad nicht!“ Sie merken schon, ist ja auch ganz einfach, krumm funktioniert nicht. Es heißt also wohl: „Ich donn dat übberhaupt nich!“ un dat is jenau dat jejenteil von: „Eijentlich donn ich dat nich.“

 

Falls man einem Düsseldorfer etwas erzählt oder mitteilt, wird der antworten: „Näh, dat is nich wohr!“ oder Näh, dat jittet nitt!“ Bei großem Glück:: „Näh!“ Bei ganz großem Glück: „Näh, sach bloß?“ Er meint damit: Interessant, was es alles gibt. Keineswegs stellt er aber die Worte in Abrede.

 

Der Düsseldorfer lädt auch gerne ein. „Jeesse mit eene pitsche?“ Er meint damit: jett drinke.

 

Auch verwendet der Düsseldorfer, im Gegensatz zu Heines Meinung, auch häufig viel mehr Worte und Grammatik als eigentlich notwendig. Ein einfaches Beispiel möge dies verdeutlichen.

 

Joachim Heinrich Campe, WIKIPEDIA

„Dä hätt mich innjelade jehatt. Dä Doll hätt Klavier jespellt jehätt, als ich em besöken wollt. Ich sach föhr demm: “Äh, bisse am spelle am dronn sinn!“ „Wie meensse datt?“ „Du biss doch am klimpere dran!“ Wie kütze denn do ödropp.“ Ich hänn Dich doch jehiert jehott.“ „Föhr mich jet zu verzälle ze donn musse früher opjestohn sinn. Datt wohr doch minne Dochter, die am spelle drann sinn wohr!“

 

Als Heine wieder nach Deutschland kam, da....

 

.....Und als ich die deutsche Sprache vernahm,

da ward mir seltsam zumute...

 

Er hätte erst mal nach Düsseldorf kommen sollen.

 

Der Düsseldorfer kennt nur sehr wenige Adjektive. Sein meist gebrauchtes ist gut = jood..

„Jood, dann könnt ich jetzt jood ön joodet Bier vadrahre ! Dat wär richtisch jood, wenn dä Doll do jood mitkäm in däh joode Kneipe. Wat meenste watt die ön joodet Bier do hant. Joode Temperatur, jood jezappt, joode jläser, joode Köbesse un jodte Lück sinn do.

 

Gut ist ein sehr beliebtes Wort, und zwar nicht nur ausschließlich als Adjektiv.

 

Heine hätte Grabbe sicherlich nicht in Düsseldorf treffen wollen, von dem er sagte, er habe

„Zuweilen eine Reihe fürchterlicher und hässlicher Gedanken, wie ein Zug Galeerensklaven, jeder gebrandmarkt - der Dichter führt sie an der Kette in das Bagno der Poesie.“

 

Un außerdem hätta vill zu ville jesoffe säht dä Düsseldorfer. Und Heine formulierte, wie bereits festgestellt.: „Er starb durch Selbsttrunk“

 

Wie sähht däh Düsseldorfer: „Die sinn bekloppt, de Dolle. Jetzt wolle se ooch noch in ne Allstadt ömm zeehn Uhr an ne ohvend zumaake, damit e paar mööde Makkers besser schloope könne.“

 

Die Düsseldorfer Landessprache gefällt doch wohl jedem? Heine meinte: „ ...während in unserer Stadt selbst jenes fatale Kauderwelsch des Niederrheins gesprochen wird, das zu Düsseldorf noch einigermaßen erträglich, aber in dem nachbarlichen Köln wahrhaft ekelhaft wird. Köln ist das Toskana einer klassisch schlechten Aussprache des Deutschen, und Köbes klüngelt mit Marizzebill in einer Mundart, die wie faule Eier klingt, fast riecht.

 

Später hat ja tatsächlich ein großer (er war so ca. 1,80 Meter) Wiener Musikkritiker ein Violinkonzert „stinken hören“. Und unser „Düsseldorfer“ Johannes Brahms schrieb die Ungarischen Tänze. Er konnte dann, obwohl im Bass spielend, seinen Schülerinnen die prächtigen Figuren im Diskant durch einfaches Herum(sie)greifen erläutern. Solche Freundschaften entstehen in Düsseldorf.

Joachim Heinrich Campe, WIKIPEDIA

Heine könnte heute erleben:.

Ausländische Restaurants

 

...Wir kamen nach Hagen schon gegen Drei,

da wird zu Mittag gespeiset......

 

Dieses könnte Heine heute nicht mehr passieren. Die deutschen Gastronomen haben dies ja bekanntlich fast flächendeckend verhindert. In welchem deutschen Restaurant wird denn um „Drei“ noch gekocht? Deshalb „bleiben“ nur die „ausländischen Gaststuben“, falls diese sich nicht mittlerweile auch in die abgehobene Kategorie der „Sterne-Spezies“ begeben haben. Ansonsten öffnen „Ausländer“ nämlich sehr früh und gekocht wird meistens „durch“ (Düsseldorfer Ausdruck für ohne Pause und nicht für through oder well done). Die Kerle würden ja auch noch nachts freundlich und zuvorkommend für ihre Gäste da sein. Aber dies konnte durch geschicktes „Gesetzgeben“ unterbunden werden.

 

Es geht ja schließlich darum, den momentan noch tätigen Deutschen im Gaststättengewerbe ausreichend Freizeit zukommen zu lassen. Die wollen ja schließlich auch einmal „eruss jonn“.

 

So versuchen Gäste und Besucher doch ständig mitzuteilen, es handele sich nicht um ein Dienstleistungsgewerbe, sondern um Ausbeuter (Hotels und Vermieter), Wegelagerer (Taxifahrer) und Griesgrame (Kellner). Natürlich kann und darf dies nicht unwidersprochen hingenommen werden. Deshalb betont sei ganz deutlich und nachdrücklich betont: „in anderen Städten ist es ebenso!“

 

Diese Damen, sie verstehen,

Wie man Dichter ehren muss;

Gaben mir ein Mittagessen,

Mir und meinem Genius.

 

Ach! Die Suppe war vortrefflich,

Und der Wein hat mich erquickt,

Das Geflügel, das war göttlich,

Und der Hase war gespickt.

 

Sprachen, glaub’ ich von der Dichtkunst,

Und ich wurde endlich satt;

Und ich dankte für die Ehre,

Die man mir erwiesen hat.

 

Heine hatte schon immer ein ungetrübtes Verhältnis zur Realität.

 

„Was nutzen Lorbeeren, wenn kein Karpfen dabei ist?“

 

“Deutsche“ Restaurants

Hier ist alles anders als in ausländischen Restaurants. Düsseldorfer Restaurants (deutsche Restaurants) müssen vor eventuellen Besuchen kontaktiert werden damit keine bösen Überraschungen erlebt werden, z. B. weil Sonntag ist, weil ein Feiertag ist, weil 13.45 Uhr ist und die Küche keine Bestellungen mehr annimmt. Weil es bereits nach 21.30 Uhr ist oder weil sie für immer geschlossen haben. Mittlerweile ist flächendeckend ein Umbruch zu erkennen. Zumindest in der Düsseldorfer Altstadt.

 

„Der Rheinwein glänzt noch immer wie Gold

Im grünen Römerglase,

Und trinkst du etwelche Schoppen zu viel,

so steigt er dir in die Nase.“

 

Dies würde Heine heute nicht mehr passieren, denn Restaurants führen heutzutage fast ausschließlich Blanc de Blanc, Soave, Pinot Grigio, Sançerre usw. Diese sind zumeist nicht nur alkoholreich und ziemlich rebenneutral, sondern glänzen auch kaum im Glase. In die Nase steigen sie auch nicht, da sie recht selten nur zum weiteren Kosten verführen.

 

Bei großem Glück wird in einem deutschen Restaurant sogar „richtig“ gekocht. Das bedeutet, nicht nur die Kartoffeln und das Gemüse werden zerkocht und durch langes Warmhalten des letzten Geschmackes beraubt (passt besser zum z. B. Soave), sondern auch die Soßen werden hier „eigengefertigt“ und entstammen nicht irgendwelchen Tüten. Suppen werden in der Regel ohnehin nur großen Eimern zur mangelhaften „Warmverbringung“ entnommen. Salat (sollte ohnehin niemals in solchen Restaurants geordert werden) entstammt wohl in der Regel irgendwelchen Konservenfabriken. Lediglich bei Kopfsalat gibt es noch Probleme. Der lässt sich nicht als Konserve einbringen. Aus diesem Grunde wird er dort auch selten angeboten, und wenn ja, dann höchstens in Form dicklicher grüner Blätter als Unterlage für Bohnen und Paprikasalat aus Büchsen und Gläsern. Aber, man arbeitet daran.

 

Heine offenbarte einen charmanten Pragmatismus:

 

„Ich wollte, meine Lieder

Das wären Erbsen klein.

Ich kocht’ eine Erbsensuppe,

Die sollte köstlich sein.“

 

Köche großer Hotels, Food Designer internationaler Chemiefabriken und Catering-Gesellschaften arbeiten perfekt zusammen. Das bedeutet, dass man auch in „besseren“ Häusern ein qualitativ hochwertiges Essen bekommen kann. Es verfügt zwar nicht über entsprechende Güte oder vielleicht auch angenehmen Geschmack, dafür ist es aber sogar steril und nach der ISO 9000ff produziert, und die beschreibt nicht das Produkt, sondern nur die Fertigungsabsicherung.

 

Was würde Heine wohl sagen, wenn man ihm Qualität, wie heute gesetzlich festgelegt, als Sicherung eines Systems erläutern würde und ihm erklärte, dass Qualität auf keinen Fall das Produkt oder die Produkteigenschaften betrifft? Es ist zu vermuten, dass ihm der Kragen geplatzt wäre. Zu seiner Zeit konnte er nach Frankreich gehen, heute würde man ihn dort schon zwecks Überreichung von Klageschriften erwarten. Soviel Geld könnte er (Dr. juris) nie von Onkel Salomon, Campe oder sonst jemanden erhalten, um allein die Anwälte im Vorstadium der Verfahren entlohnen zu können, wenn er das sagen würde, was auch andere denkende und nachdenkende Menschen von der ISO 9000ff in diesen Fällen halten.

Als liberaler Kosmopolit wies Heine deutlich auf etwas hin, was ihm in der Düsseldorfer Altstadt auch hätte passieren könnte:

 

„In der Wirtsstube des Herrn Niederkirchner zu Innsbruck hängen einträchtig nebeneinander die Bilder von Andreas Hofer, Napoleon Bonaparte und Ludwig von Bayerns.“

 

Brot erhält man lediglich als Zugabe z. B. zu kalten Koteletts in den deutschen Restaurants und selten vor dem Essen. Damit nicht vom Geschmack selbiger abgelenkt wird, verabreicht man das Brot in leicht pappiger und geschmacksneutraler Form. Es klebt phantastisch beim Kauen und soll schon zuweilen zu ganz merkwürdigen Begleiterscheinungen geführt haben.

 

Dieses Brot als Gabe vor dem Essen, sozusagen zur Begrüßung zu reichen, ist nicht anzuraten und wird auch nicht praktiziert. Gerichte wie Jägerschnitzel, Champignonschnitzel usw. im Angebot veranlassen mittlerweile selbst einen Gourmand, solcherart Etablissement weiträumig zu umschreiten. Lediglich gelbe Nummernschilder sieht man in der Nähe solcher Etablissements häufiger.

 

Befragt antworten die Restaurantiers: „Dat wohr doch schon immer esoh unn kinner hätt je eso blöhd Frach jestellt. Worömm solle ma datt ängere?“ „Waröm woll?“ fragt sich der Autor, unn jeht wo angers hin.

 

Heine meinte:

 

„Es gibt Leute, welche den Vogel ganz genau zu kennen glauben, weil sie das Ei gesehen, woraus er hervorgekrochen“.

 

Die Altstadt betritt der Besucher meist von der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee aus. Was dort auf der linken Seite manchmal wie eine illegale Müllablagerung aussieht, ist lediglich der Treffpunkt gewisser illusterer Düsseldorfer Randgruppen. Die Häufigkeit dieser Ablagerung ist rückläufig. Als Besucher setzt man hier eine entschlossene Miene auf und geht forsch drauflos. Man denke daran, dass diese Kerle genaugenommen Besucher gar nicht verhauen dürfen. Es sind auch zumeist zugereiste Einheimische, was an der Artikulation leicht erkennbar ist .„Könnten Sie die Unterstützung vermittels eines geringen pekuniären Betrages eines Aussteigers erwägen?“ „Leck mich!“ deutet auf die Antwort eines hier geborenem Altstadterfahrenen Einheimischen hin und sollte keinesfalls zur Nachahmung anregen, denn die Antwort der Randgruppen ist entwaffnend: „Vielen Dank für Ihre Mühen und noch einen schönen Tag!“

 

Diese Konversation wird in Deutsch, Englisch, Französisch oder Italienisch geführt und weist in der Tat auf Maturität hin. Vermutlich wird dieser Wunsch auch Latein vorgetragen. Die andere Spezies, die dort verkehrt, ist weniger entwaffnend mit Worten, dafür unter Umständen aber mit Taten. Man möge unbesorgt sein. Auch diese Klientel genießt den Schutz unserer Stadt.

 

Heinrich Heine sagte, als er Napoleons Einzug in Düsseldorf beobachtete: „.......und dennoch dachte ich zu gleicher Zeit an die Polizeiverordnung, dass man bei fünf Taler Strafe nicht mitten durch die Allee reiten dürfe,............“

 

Heute ist dies alles manchmal – sehr manchmal - etwas anders. In den Fußgängerzonen herrscht notwendiger Weise zeitweilig reger Autoverkehr. Die einen holen Bier aus dem Uerige, die anderen fahren „sich vorzeigen“, die Auswärtigen haben einfach nur Spaß daran und die Anwohner beharren auf ihrem Recht.

 

Heine sagte: „Was die Deutschen betrifft, so bedürfen sie weder der Freiheit noch der Gleichheit.......Der Deutsche liebt die Freiheit wie seine alte Großmutter.“

 

Heine würde heute

n  mindestens laut lachen, wenn er die Schrift zum 50 Jahrestag der Landeshauptstadt Düsseldorf lesen könnte;

n  aus dem Staunen nicht mehr herauskommen, wenn er sehen könnte, dass seine Landsleute heutzutage fast mehr Freizeit haben als seinerzeit die „ausgabelüsternen Despoten“;

n  fassungslos sehen, dass die gesamte Industrie die Arbeit und Produktion einstellt und die Autobahnen freimacht, damit alle Freizeitler zum Kaffee trinken (Kännchen) im gemeinsamen Stau anreisen können;

n  fluchen, weil er keine Brötchen bekäme, da sonntags die meisten Bäcker ausschlafen;

n  staunen, dass sich zu Messezeiten regelmäßig zehntausende Autos zeitgleich in der Stadt zur gemeinsamen Durchfahrt versammeln, weil so Stücker sechs Anwohner eine Brücke nicht mögen;

n  staunen, dass man auch 1997 noch erwartet, dass der Staat alles bezahlt;

n  noch mehr staunen, dass selbige immer noch versucht dies zu tun;

n  sein Deutschland nicht mehr verstehen. Er würde niemals begreifen, dass die „Regenbogen-Presse“ so verbreitet ist. Seine Äußerungen hierzu würden ihn als Frauenfeind zum Angriffspunkt aller Feministinnen machen. Mindestens würde er diesen Leserinnen das Wahlrecht entziehen wollen,

n  entsetzt sein, daß die Kö von vielen Medien auf pure Konsumsucht reduziert wurde.

 

Das Weberlied könnte Heine heute übrigens auch nicht mehr schreiben.

 

Er würde sich darüber freuen,

n  dass die Universität seiner Geburtsstadt seinen Namen trägt. Er würde es begrüßen und sicherlich seinen Namen pekuniär ins Benehmen setzen,

n  dass die Universität heute fast mehr Studenten hat, als zu seiner Zeit Düsseldorf Einwohner hatte;

n  welch moderne und großzügige Gebäude „seine“ Universität hat;

n  dass es keine Semesterferien mehr gibt, sondern die Praktika weiterlaufen;

n  dass wenigstens dem Düsseldorfer immer noch seine eigene Frau „vör alle angere kütt.“

 

Was sagte er zum Hausfrieden?

 

Viele Weiber, viele Flöhe,

Viele Flöhe, vieles Jucken -

Tun sie heimlich dir ein Wehe,

Darfst du dennoch dich nicht mucken.

 

Denn sie rächen, schelmisch lächelnd,

Sich zur Nachtzeit - Willst du drücken

Sie ans Herze, liebesröchelnd,

Ach, da dreht sie dir den Rücken.

 

Er würde sicherlich auch mit Verwunderung zur Kenntnis nehmen,

n  dass die Professoren ihre Studenten nicht selber „aussuchen“ dürfen;

n  dass die gesamte Nation lediglich im Sammeln und Sortieren von Müll vereint ist;

n  dass dieser Müll laut Obrigkeit kein Müll, sondern ganz besonders wertvoller „Wertstoff“ ist;

n  dass sich die Engländer in seinem Europa weigern die 48-Stunden-Woche einzuführen;

n  dass es keine Salons wie Varnhagen von Ense, George Sand, Sonntagsmusiken bei Mendelssohns, usw. mehr gibt und statt dessen Kultur vor Fernsehgeräten abläuft“;

n  dass man reproduzierenden Künstlern den Vorzug vor schaffenden gibt.

 

Er, der sich intensiv mit seinem Namen beschäftigte geboren als Harry Heine, getauft als Johann Christian Heine, in Paris als Henri übersetzt, obwohl kein Franzose Henri Heine aussprechen konnte, der dann Mr. Enri Enn hieß und von vielen als Enrienne artikuliert wurde und sich ereiferte, dass einige doch tatsächlich Mr. Un rien sagten, derjenige, der in seiner Düsseldorfer Schulzeit unter dem Namen „Haarüh“ geradezu litt und in der „Heimat der Schönheit“ Signore Enrico wundervoll fand, würde den offiziellen Postaufdruck des Düsseldorfer Briefstempels allein schon wegen der Kleinbuchstaben entsetzlich finden.

 

Heine meinte:

„Wenn man mit dem dümmsten Engländer über Politik spricht, so wird er doch immer etwas Vernünftiges zu sagen wissen. Sobald man aber das Gespräch auf Religion lenkt, wird der gescheiteste Engländer nichts als Dummheiten zu Tage fördern.“

 

Heine würde analog zu Voltaire, der mehr Gewehre als Bücher in Preußen vorfand, entsetzt sein, das es im heutigen Deutschland mehr Fernseher als Bücher gibt.

 

Heine verstand sich übrigens recht gut auf Voraussagen. So ungefähr fünfzig Prozent im Eigenbezug seiner Ahnungen trafen zu:

...das Haus, worin ich geboren bin. Dieses Haus wird einst sehr merkwürdig sein, und der alten Frau, die es besitzt, habe ich sagen lassen, dass sie beileibe das Haus nicht verkaufen solle. Für das ganze Haus bekäme sie jetzt doch kaum so viel wie schon allein das Trinkgeld betragen wird, das einst die grünverschleierten, vornehmen Engländerinnen dem Dienstmädchen geben, wenn es ihnen die Stube zeigt, worin ich das Licht der Welt erblickte,.......

 

Es handelte sich zeitweise tatsächlich um ein merkwürdiges Haus. Heute dient es der Kultur – Lesen, Vorträge, Lesungen, Bücher, Diskussionen. Und dies nunmehr bei Selinde Böhm.

 

Heines Ausbildung ging ja bekanntlich völlig daneben. Er „lernte“ nicht Millionär. Deshalb dozierte er:

 

Handwerker oder Philologe soll man werden - man wird zu allen Zeiten Hosen brauchen, und es wird immer Schulknaben geben, welche Deklinationen und Konjugationen gebrauchen.

 

Er würde heute und hiernach den Duden nehmen, den Herren dieser Redaktion einzeln und freudig Ohrfeigen versetzen – nach einem „Zusammensetzen“ und nicht nach einem „zusammen setzen“ und zum Duell fordern. Als Waffe könnte er die gramatick oder die ortografi wählen. Er würde den Sinn wählen und obsiegen. Spätestens dann würden ihm noch einmal der Schlussgedanke seiner „Nachtgedanken“ kommen:

 

„....Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen,

Und lächelt fort die deutschen Sorgen.“

 

…und zwar diesmal aus Liebe zu seiner deutschen Sprache.